Mein Leben als Kampfsportler – Teil 1

Ich liebe Kampfsport. Schon als kleines Kind war ich fasziniert von den Filmen mit Bruce Lee oder Jackie Chan. Warum das Hauen und Treten mein Leben positiv verändert hat, erzähle ich euch gerne.

 

Ich erzähle euch meine kleine Geschichte über meine Erfahrungen im Kampfsport, wie es dazu gekommen ist und ein paar kleine Anekdoten meiner Erfolge. In drei Teilen geht es um die verschiedenen Stationen, die ich durchlaufen habe.

 

Ich weiß gar nicht mehr, welchen Film ich damals als erstes gesehen habe. Aber es war irgendein Asiate darin, der andere auf akrobatische und eindrucksvolle Weise verkloppt hat. Klar, kannte ich auch die Filme mit Bud Spencer und Terrence Hill, aber die eher rohe Gewalt in diesen Filmen hatte nichts mit dem zu tun, was mich am asiatischen Kampfsport so beeindruckt hat: Ästhetik, Stärke und Effizienz in einem.

Jeder kennt sie, die tollen Kicks und Sprünge von Kampfkünstlern jeder Couleur. Was die wenigsten kennen, ist die harte Arbeit, die diese Menschen in ihren Körper stecken, damit der Fuß überhaupt die Gürtellinie überquert. Eines meiner Lieblingszitate von Bruce Lee ist das folgende: „Ich fürchte nicht den Mann, der 10.000 Kicks einmal geübt hat, aber ich fürchte mich vor dem, der einen Kick 10.000-mal geübt hat.“

Mich machte das als kleiner Junge sehr neugierig. Ich wollte auch so tolle Tricks machen können und ich wollte auch so cool sein; zehn Gegner in wenigen Sekunden aufs Kreuz legen, nebenbei noch Zwinkern und dann fällt einem eine schöne Frau aus Dankbarkeit um den Hals. Ich mein, hey, solche Wünsche habe ich heute noch und: Wer eigentlich nicht?

 

Kleiner Mensch auf großem Fuß

Sven Wolff

Mit süßen acht Jahren war ich dann zum ersten Mal auf einer Kampfsportmatte. Meine Reise in den Kampfsport begann mit Jiu Jitsu. Die vielen anderen Jungs auf der Matte hatten großen Spaß, aber ich verstand noch nicht so ganz, was der ganze Firlefanz soll. Ich wollte doch durch die Luft fliegen und sowas. Schnell verlor ich das Interesse. Kurz darauf folgte Karate und ich habe auch dort schnell meinen Gi an den Nagel gehängt. Der Gi ist das weiße Gewand, welches jeder sofort mit Karatekämpfern assoziiert.

Ich entschied mich, lieber weiter Fußball zu spielen und habe den Kampfsport zu Hause im stillen Kämmerlein weiterpraktiziert. Wie fast jedes Kind wollte ich natürlich Fußballprofi werden. Unregelmäßig bin ich noch in den Kampfsportclub gegangen und habe mich dort, so gut es mir halt gelang, an die Regeln gehalten. Ich kleiner rebellischer Junge ich. Mein Interesse am Kampfsport wurde aber keineswegs kleiner. Bücher ersetzten den Trainer und ich besaß bald eine kleine Sammlung von Büchern verschiedener asiatischer Kampfsportarten. Einige waren mehr auf die Geschichte fokussiert, andere waren Bildbände, perfekt zum Nachahmen geeignet.

Das führte dazu, dass ich bald jedes Buch auswendig kannte und fleißig sämtliche Bewegungen perfektionierte. Tae-Kwon-Do hatte es mir besonders angetan. Was auch ein bisschen an Tekken lag. Das Beat-Em-Up war ein Kung-Fu-Film zum selber spielen. Herrlich für kleine Nerds wie mich. Mein Lieblingskämpfer damals war Hwoarang. Der war Tae-Kwon-Do-Kämpfer und mein virtuelles Vorbild.

Ich verbesserte meine Dehnung, meine Techniken wurden flüssiger und meine Büchersammlung wuchs weiter. Fußball war aber doch immer wichtiger und ich hatte es letztlich einer Verletzung zu verdanken, dass der Kampfsport doch noch eine größere Rolle in meinem Leben spielen sollte. Im Alter von 14 Jahren hatte ich schreckliche Schmerzen in den Knien und in der Achillesferse. Mein damaliger Arzt machte mir klar, dass ich mit diesen Beinen keine Profi-Fußballkarriere durchhalte. Mein Traum, ein Fußballprofi zu werden, war zerstört.

Aus einem Spaß heraus meldete ich mich in einem Kung-Fu-Studio an. Die tollen Bewegungen und die schnellen Angriffe machten Kung Fu für mich zu einer hervorragenden Sportart. Ich hatte einen guten Start, hatte ja schon zu Hause sehr viel geübt. Kung Fu wurde zu einem festen Bestandteil meines Lebens. Jede freie Minute verbrachte ich auf der Matte und hatte jede Menge Spaß. Meine Knie hielten durch.

Neben Kung Fu interessierte ich mich auf einmal wieder für Jiu Jitsu und war auch dort auf der Matte zu finden. Wenig später kam ATK dazu. Der Anti-Terror-Kampf (ATK) ist eine Kampfsportdisziplin, die hauptsächlich auf Alltags- bzw. Gefahrensituationen spezialisiert ist. Auch das fand ich klasse und lebte meine Liebe zum Kampfsport voll aus.

Die Pubertät ging auch an mir nicht spurlos vorbei und es war die erste Freundin, die meine Kampfsportaktivitäten uninteressant werden ließ. Auf einmal gab es was wichtigeres als das Training. Das blieb auch erstmal so. Kurz nach meiner beginnenden Volljährigkeit trennten sich unsere Wege und ich versprach mir, dass ich endlich wieder mit dem Kampfsport anfangen würde.

 

Kickboxen, Kickboxen, Kickboxen

Sven Wolff Kickboxen

Ein junger Mann, ein Wort. Ich meldete mich wieder in meinem alten Studio an und entdeckte das Kickboxen für mich. Am Anfang war ich bei allen Kursen und hab alles mitgemacht, was nur im Entferntesten mit Kampfsport zu tun hatte. Beim Kickboxen allerdings bemerkte ich, dass meine Vorkenntnisse aus anderen Kampfsportarten mir einen kleinen Vorteil gegenüber den anderen verschafften. Ich konnte meine Gegner mit Techniken überraschen, die sie nicht kannten. Außerdem war ich durch das Kung Fu sehr flink auf meinen Füßen. Meine Körpergröße tat ihr übriges: Ich war kaum zu treffen und doch schnell im Angriff.

Die anderen Kurse wurden langsam uninteressant. Kickboxen wurde meine neue Liebe. Mittlerweile war ich nicht nur während der Kurszeiten in der Trainingshalle, sondern zu jeder freien Minute. Am Wochenende. Morgens. Immer dann, wenn ich ein wenig Zeit übrig hatte. In meinem Club wurde hauptsächlich Vollkontakt gekämpft. Schon bald machte es mir nichts mehr aus, eine blutige Nase zu haben und mit jedem Treffer, den ich einsteckte, wuchs mein Engagement. Schließlich wollte ich mich in Zukunft nicht mehr treffen lassen.

Vollkontakt ist die Disziplin im Kickboxen, bei der die volle Härte der Techniken am Gegner angewandt wird. Beim Leichtkontakt hingegen werden die Techniken bewusst nicht mit der vollen Härte ausgeführt und es ist sogar verpönt, sein Gegenüber bewusst zu verletzen. Beim Semikontakt gibt es noch speziellere Regeln: Die Techniken werden ebenfalls nicht in voller Härte durchgeführt, jedoch ist nach jedem eindeutigen Treffer der Kampf unterbrochen. Ringrichter entscheiden über die Gültigkeit des Treffers und vergeben Punkte.

Für einen Treffer mit dem Fuß oder der Faust zum Oberkörper gibt es einen Punkt. Mit dem Fuß zum Kopf zwei Punkte und ein gesprungener Kick zum Kopf gibt satte drei Punkte. Die Semikontakt-Kämpfe erinnern an eine wilde Version des Fechtens. Tatsächlich läuft es meistens darauf hinaus, dass beide Kämpfer hauptsächlich mit ihren Füßen agieren, um mit der jeweiligen Reichweite ihren Gegner auf Entfernung zu halten.

Bei mir ging das nicht. Aufgrund meiner knappen 1,74 m Lebensgröße hatte ich natürlich nicht die längsten Beine. Aber: ich war schnell. Verdammt schnell. Bis heute liebe ich es, gegen Menschen jenseits der 1,90 m zu kämpfen. Je größer und schwerer, desto besser. Zum einen unterschätzen die meisten, selbst erfahrene, Kampfsportler kleinere Gegner und zum anderen sind die wenigsten großen Kämpfer besonders schnell.

Aber im Kickboxen geht es auch nach Gewichtsklassen. Ich brachte zu meiner aktiven Zeit knapp 65 Kilo auf die Waage. Damit war ich startberechtigt in der 65KG-, 70KG- und 75KG-Klasse. Bei jedem Turnier trat ich in mindestens zwei dieser Klassen an und war, oh Wunder, in den schwereren meist erfolgreicher.

 

Im zweiten Teil erzähle ich von meinen Erlebnissen an Turniertagen, den Regeln beim Kickboxen und meinem persönlichen Highlight bei einem internationalen Turnier.

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